Falsche Behauptungen verbreiten sich laut einer MIT-Studie aus dem Jahr 2023 sechsmal schneller als die Wahrheit. Dieses Ungleichgewicht macht die Bekämpfung von Fehlinformationen zu einem zermürbenden Kampf. Ein Konzept namens Brandolinis Gesetz erklärt, warum.
„Der Energieaufwand, um Unsinn zu widerlegen, ist um eine Größenordnung größer als der, um ihn zu produzieren.“
Der Programmierer Alberto Brandolini erklärte 2013, dass das Widerlegen von Unsinn weitaus mehr Energie kostet als dessen Erzeugung. Dieses Prinzip, auch bekannt als „Bullshit-Asymmetrie-Prinzip“, beeinflusst Fachleute, die gegen Desinformation kämpfen, täglich.
Ingenieure, Designer und Faktenchecker stehen vor dieser Herausforderung. Falsche Behauptungen erfordern Zeit und Mühe, um widerlegt zu werden, während sich Fehlinformationen mühelos verbreiten. Die digitale Welt verschärft dieses Problem.
Das Verständnis dieses Gesetzes hilft Fachleuten, bessere Strategien zu entwickeln. In den folgenden Abschnitten werden praktische Wege zur wirksamen Bekämpfung von Fehlinformationen aufgezeigt.
Das Brandolini-Gesetz verstehen
Falsche Behauptungen zu widerlegen ist zehnmal aufwendiger als sie zu verbreiten – eine Realität, mit der viele Fachleute täglich konfrontiert werden. Dieses Ungleichgewicht, bekannt als das Prinzip der „Bullshit-Asymmetrie“, erklärt, warum Desinformation so erfolgreich ist. Ingenieure, Wissenschaftler und Journalisten verbringen oft Stunden damit, Behauptungen zu widerlegen, die innerhalb von Minuten aufgestellt wurden.
Das Bullshit-Asymmetrieprinzip erklärt
Alberto Brandolinis Metapher verdeutlicht den Kampf: „Mit einem Verbreiter von Falschinformationen zu streiten ist wie …“ Schach „Mit einer Taube. Sie wirft Stücke um, stolziert herum und verkündet den Sieg.“ Der Energieaufwand, um Unsinn zu widerlegen, übertrifft bei Weitem den Aufwand, ihn zu erzeugen.
Der Programmierer Alberto Brandolini prägte den Begriff 2013 im Rahmen der Beobachtung von Online-Debatten. Anders als Hitchens' Rasiermesser, das die Beweislast auf den Kläger verlagert, betont sein Prinzip den Aufwand, der nötig ist, um Falschdarstellungen zu korrigieren.
Laut einem Edelman Trust Report aus dem Jahr 2024 sind 68 % der Ingenieure wöchentlich mit Fehlinformationen konfrontiert. Diese Entwicklung wird durch den sogenannten Ultracrepidarianismus – also die Meinungsäußerung von Nicht-Experten zu technischen Themen – verstärkt.
Ultracrepidarianismus: Ein Ultracrepidarianer – abgeleitet von ultra- („jenseits“) und crepidarian („Schuhe“) – ist jemand, der diesen Rat missachtet und Meinungen äußert, von denen er keine Ahnung hat. Erstmals belegt ist der Begriff in William Hazlitts 1819 veröffentlichtem offenen Brief an William Gifford, den Herausgeber der Quarterly Review: „Man hat Sie treffend als ultracrepidarianischen Kritiker bezeichnet.“ Der Herausgeber von Hazlitts Schriften vermutet jedoch, dass der Begriff stattdessen von Charles Lamb geprägt wurde. Vier Jahre später griff Hazlitts Freund Leigh Hunt den Begriff in seiner 1823 erschienenen Satire „Ultra-Crepidarius: A Satire on William Gifford“ wieder auf. Gelegentlich wurde später auch der Begriff Ultracrepidarianismus – das Sprechen über den eigenen Horizont hinaus – in ähnlicher Weise verwendet. (Quelle: Wikipedia)
Warum sich Falschinformationen schneller verbreiten als die Wahrheit
Die Neurowissenschaft erklärt, warum Menschen unbestätigte Behauptungen schneller verbreiten als sachliche Richtigstellungen. Das Gehirn bevorzugt kognitive Leichtigkeit – schnelle, emotional aufgeladene Inhalte gegenüber komplexen Wahrheiten. Soziale Medien nutzen diese Voreingenommenheit aus und lassen Fehlinformationen sich rasant verbreiten.
Falsche Behauptungen zu erfinden ist mit minimalem Aufwand verbunden. Sie zu widerlegen erfordert hingegen umfassende Recherchen. Der Mythos um die Boeing 787 behauptete, Verbundwerkstoffe seien unsicher. Die FAA brauchte Wochen, um dies zu widerlegen, während sich das Gerücht innerhalb weniger Stunden weltweit verbreitete.
- 74 % der Retweets erfolgen ohne Link. Überprüfung.
- Facebook-Nutzer überprüfen Fakten im Durchschnitt 3 Sekunden lang, bevor sie sie teilen.
Die Rolle sozialer Medien bei der Verstärkung von Fehlinformationen: Algorithmen priorisieren Interaktion, nicht Genauigkeit. Sensationsmeldungen generieren Klicks und lassen differenzierte Korrekturen untergehen. Die Aufmerksamkeitsökonomie befeuert diesen Kreislauf. Ingenieure und Designer kämpfen gegen Spezifikationen und virale Fiktion – wo Unsinn sich schnell verbreitet und die Wahrheit mit Ballast behaftet ist.
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